JUERGEN BIRCHLER

Artist, Photographer

Voyage Floral – Schönheit der Vergänglichkeit

Jürgen Birchler, geboren 1956 in Leipzig, lebt und arbeitet in Zug. Seine floristische Ausbildung führte ihn nach Zürich, Bonn Bad Godesberg und Schweden. Er gewann zahlreiche nationale und internationale Wettbewerbe, darunter den Europacup in Bergen sowie einen vierten Platz beim Interflora World Cup in Hamburg. Über viele Jahre hielt er Vorträge und Seminare in Europa, Taiwan und den USA.

Gemeinsam mit seiner Frau Barbara führte er in Zug das Geschäft BELLEFLEUR – ein Ort, der weit über die Region hinaus bekannt wurde. BELLEFLEUR war mehr als ein Blumengeschäft: Es war ein sinnlicher Raum, in dem Formen, Farben und Düfte der Natur zelebriert wurden. Gleichzeitig wurde dieser Ort zur Keimzelle seines fotografischen Schaffens. Nach einem einschneidenden Kletterunfall begann Birchler, sich intensiv der Fotografie zu widmen. Autodidaktisch, durch genaues Beobachten natürlicher Prozesse, entwickelte er eine eigene Bildsprache. Seine Arbeiten wurden unter anderem an der Photo 14 / 15 gezeigt und in internationalen Magazinen wie der ELLE Germany publiziert. Auch in der Textilgestaltung fanden seine floralen Motive
Verwendung.

Heute arbeitet Jürgen Birchler ausschließlich als Fotograf. Seine langjährige
Leidenschaft für den Alpinismus spiegelt sich in seiner Bildauffassung wider:
Konzentration, Präzision und das Lesen von Strukturen prägen seine Arbeitsweise. Pflanzen sind für ihn keine Motive im klassischen Sinn, sondern Landschaften aus
Bewegung, Textur und Zeit. In seinem lichtdurchfluteten Wintergarten beobachtet er über Tage hinweg den Wandel geschnittener Blumen. Der Prozess des Vergehens wird nicht als Verlust verstanden, sondern als Moment gesteigerter Schönheit.

Tulpen, Päonien, Anemonen oder Ranunkeln entfalten in diesem Zustand eine fast skulpturale Präsenz Birchler arbeitet mit einer hochauflösenden Mittelformatkamera. Seine Bilder entstehen aus mehreren Schichtaufnahmen, die in einem präzisen digitalen Prozess zu einem Ganzen zusammengeführt werden. Licht und Schatten, Tiefe und Volumen werden behutsam herausgearbeitet. Der tiefschwarze Hintergrund löst die Pflanzen aus ihrem natürlichen Kontext und verleiht ihnen eine beinahe plastische Anmutung. Die Arbeiten erinnern an barocke
Blumenstillleben ebenso wie an illusionistische Malerei des 17. Jahrhunderts. Gleichzeitig entstehen Assoziationen zu geologischen Prozessen, zu Erosion,
Kristallisation oder Meereswesen aus der Tiefe.

Voyage Floral ist der Dialog mit der Schönheit der Vergänglichkeit. Eine stille, konzentrierte Reise in ein Universum floraler Formen – jenseits des Augenblicks.